„Brücken bauen von gestern nach morgen“
Mit einem festlichen Abend voller Kultur, Begegnungen und bewegender Worte feierte die Preußische Tafelrunde am 8. Mai 2026 in Pforzheim ihr 60-jähriges Jubiläum. Zur 155. Ausgabe der traditionsreichen Veranstaltung kamen zahlreiche Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kultur zusammen – darunter viele langjährige Besucher, aber auch neue und junge Teilnehmer. Im Mittelpunkt des Abends stand die Verleihung des Großen Ostpreußen-Preises an den baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl.
Die Preußische Tafelrunde wurde im Jahr 1966 von Werner Buxa ins Leben gerufen und hat sich seitdem zu einer festen Institution im kulturellen Leben der Landsmannschaft Ostpreußen und der Stadt Pforzheim entwickelt. Über sechs Jahrzehnte hinweg gelang es, Menschen unterschiedlichster Generationen zusammenzuführen – mit einer bewährten Mischung aus Kultur, gutem Essen, musikalischer Unterhaltung und vor allem persönlichen Gesprächen unter Gleichgesinnten.
Organisiert wurde die diesjährige Veranstaltung vom Ersten Landesvorsitzenden der Landsmannschaft Ostpreußen, Herrn Dr. Georg Müller. In seiner Ansprache blickte er mit sichtbarer Freude auf die lange Geschichte der Tafelrunde zurück:
„Dass wir dies 60 Jahre lang in mittlerweile 155 Ausgaben organisieren konnten, erfüllt uns schon ein klein wenig mit Stolz!“
Menschen zusammenführen
Für Dr. Müller ist es auch heute die Aufgabe der Landsmannschaft Ostpreußen, Menschen zusammenzuführen, Erinnerung lebendig zu halten und gleichzeitig den Blick nach vorne zu richten.
„Wir bauen Brücken: von gestern über heute nach morgen, von West nach Ost, von Deutschland nach Russland“, erklärte Dr. Müller.
„Brücken kann man nur auf Augenhöhe bauen.“
Diese Haltung prägte den gesamten Abend. Die Gäste erlebten eine Atmosphäre der Offenheit, des gegenseitigen Respekts und des gemeinsamen Erinnerns. Besonders bemerkenswert war die große Bandbreite der Besucher: Neben Menschen, die ihre Kindheit noch in Ostpreußen verbracht haben, nahmen auch zahlreiche jüngere Gäste teil. Viele Besucher kommen seit Jahren regelmäßig zur Tafelrunde, gleichzeitig waren auch viele neue Gesichter zu sehen.
Die Veranstaltung verzeichnete in diesem Jahr sogar einen Rekordbesuch – zumindest im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Unter den Gästen befanden sich außerdem Bundestags- und Landtagsabgeordnete sowie zahlreiche Stadträte und Stadträtinnen aus Pforzheim.
Ein Höhepunkt des Abends war das vielfältige und hochklassige Rahmenprogramm. Das wunderbare Tanzensemble unter der Leitung der Ballettmeisterin Natalia Chudjakowa begeisterte das Publikum mit beeindruckenden Darbietungen und löste immer wieder Beifallsstürme aus.
Ebenso überzeugte die junge Sängerin Livia-Sophie Schöninger (livia-sophie.my.canva.site) aus Leonberg mit ihrer musikalischen Vielseitigkeit. Mit einem breiten Repertoire – von modernen Pop-Songs bis hin zum traditionsreichen Ostpreußenlied – zog sie die Gäste in ihren Bann und sorgte für emotionale Momente. Gerade diese Verbindung aus kultureller Tradition und moderner Unterhaltung machte erneut den besonderen Charakter der Preußischen Tafelrunde aus.
Großer Ostpreußen-Preis für Minister Thomas Strobl
Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stand die Verleihung des Großen Ostpreußen-Preises an den baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl. Er war über zehn Jahre lang als Minister für die Vertriebenen und Spätaussiedler zuständig und setzte sich in dieser Zeit mit großem Engagement für deren Anliegen ein.
Dr. Müller würdigte dieses langjährige Wirken mit persönlichen Worten: „Sie haben diese Aufgabe mit Herz und großem Engagement ausgeführt. Dafür möchten wir Ihnen mit dem Großen Ostpreußen-Preis danken!“
Die Laudatio hielt Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch, der die Verdienste Strobls ebenfalls hervorhob und erklärte: „Niemand hat den Preis mehr verdient als du!“
In seiner Dankesrede erinnerte Minister Strobl an die bedeutende Rolle der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler für Baden-Württemberg und Deutschland insgesamt: „Die Heimatvertriebenen und Spätaussiedler haben dieses Land mit aufgebaut und prägen seine Kultur und Gesellschaft bis heute.“
Besonders hob Strobl hervor, dass ohne die Stimmen der Heimatvertriebenen das heutige Bundesland Baden-Württemberg womöglich nie zustande gekommen wäre: „Ohne die Stimmen der Heimatvertriebenen wäre das Land Baden-Württemberg nicht zustande gekommen. Sie gaben bei der entscheidenden Abstimmung im Jahre 1951 den Ausschlag für den Zusammenschluss von Baden und Württemberg. Auch deshalb habe ich mich immer gern für die Heimatvertriebenen und Spätaussiedler eingesetzt.“
Ein Abend mit Blick in die Zukunft
Die 155. Preußische Tafelrunde zeigte eindrucksvoll, dass Tradition und Zukunft kein Widerspruch sein müssen. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen und internationaler Unsicherheiten wolle man weiterhin Begegnung ermöglichen und Verständigung fördern, betonte Dr. Müller zum Abschluss des Abends:
„Wir bauen Brücken für eine friedliche Zukunft.“
Mit ihrem Jubiläum setzte die Preußische Tafelrunde damit nicht nur ein Zeichen für gelebte Erinnerungskultur, sondern auch für Dialog, Gemeinschaft und gegenseitigen Respekt – Werte, die heute aktueller erscheinen denn je.
Dr. Georg Müller
